Brandenburger Sommerabend 2026 in Potsdam: LandGut Quartier mit AEL Brandenburg
Am 30. Juni 2026 wurde der Sportpark Luftschiffhafen in Potsdam zum lebendigen Treffpunkt für Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Beim Brandenburger Sommerabend 2026 nutzten mehrere tausend Gäste die entspannte Atmosphäre, um inspirierende Gespräche zu führen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und die Basis für neue Partnerschaften zu schaffen.
Ein absolutes Highlight in diesem Jahr war die feierliche Eröffnung des LandGut Quartiers durch Hanka Mittelstädt, unsere Ministerin für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, und Jörg Waniek (LEAG). Somit erhielt die Landwirtschaft in der Landeshauptstadt eine besondere Bühne!
An den Ständen der Gemeinschaft der Agrar-, Ernährungs- und Landnutzungsforschung Brandenburg, die aus 7 praxisbezogenen Forschungseinrichtungen besteht und institutionell durch das MLEUV gefördert wird, konnten die Gäste durch Verkostungen erleben, wie die Brücke geschlagen wird – von der Klimaanpassung auf dem Feld direkt auf den Teller der Verbraucher:innen: von Apfel-Sorbet über Buchweizen-Brownies, Käse und Bienenhonig bis hin zu Karpfen-Häppchen und Safran-Baiser – alles ist regional, praxisnah und zukunftsweisend für Brandenburg.
Auch Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke ließ es sich nicht nehmen, im LandGut Quartier vorbeizuschauen, um sich ein Bild von der gebündelten Innovationskraft der Brandenburger Forschungslandschaft zu machen. „Heute wird eine Tradition begründet, wir sehen uns nächstes Jahr wieder beim Brandenburger Sommerabend im LandGut Quartier“, so Woidke.
Der Brandenburger Sommerabend 2026 hat einmal mehr bewiesen: Die Zukunft unserer Wirtschaft und Umwelt entsteht dort, wo Wissen geteilt wird, Netzwerke gelebt werden und Menschen mutig gemeinsam vorangehen.
Ein großes Dankeschön an das WirtschaftsForum Brandenburg e.V., die Landesregierung, das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) alle Partner und andere Beteiligte sowie unsere Gäste für dieses gelungene und inspirierende Netzwerk-Event.
Mit rund 135 Teilnehmenden aus Landwirtschaft, Beratung, Forschung, Verarbeitung, Vermarktung und Ernährung wurden gemeinsam die Versuchsflächen der HNEE und die Flächen des Gut Wilmersdorf begutachtet, unterschiedliche Kulturen und Anbausysteme diskutiert und die Perspektiven entlang der Wertschöpfungskette zusammengebracht.
Versuchsparzellen: Experten und Praxis im Austausch
Nach der Begrüßung startete der HNEE-Feldtag Diversifizierung durch Hülsenfrüchte und Pseudogetreide mit einem Rundgang über die Versuchsparzellen in Wilmersdorf. Dabei erhielten die Teilnehmenden tiefere Einblicke in verschiedene Kulturen und Anbausysteme. Das Spektrum war breit gefächert und umfasste unter anderem Quinoa, Rispenhirse, Kichererbsen, Soja und Lupinen. Auch Platterbsen, Trockenbohnen, Sonnenblumen, Artischocken und verschiedene Kohlsorten stießen auf großes Interesse.
Besonders wertvoll waren die Gespräche zu den Chancen und Herausforderungen vielfältiger Fruchtfolgen, zu regionalen Absatzwegen sowie dazu, wie mehr Hülsenfrüchte und Pseudogetreide vom Acker auf den Teller kommen können.
Innovative Lebensmittel in der Verkostung
Auf dem Naschmarkt konnten die Gäste des Feldtags in der Pause nicht nur regionale Speisen zu sich nehmen, sondern auch Innovatives verkosten. Am gemeinsamen Stand des IFN Schönow e.V. – Reproduktion, Tierhaltung, Lebensmittel, Umwelt und PROWERTA gab es die Möglichkeit alternativen Getreide- und Pseudogetreidesorten sich auf der Zunge zergehen zu lassen.
Das Lebensmittel-Umwelt-Team am IFN Schönow hat im Rahmen des laufenden Forschungsprojekts Buchweizen selbst hergestelltes Buchweizenbrot, das zu 30 % aus Buchweizen sowie Anteilen von Roggen und Weizen besteht, und süße Kreationen wie Buchweizen-Brownies und Buchweizen-Energy-Balls zur Verkostung angeboten. Hierbei kamen die Akteure mit den Teilnehmenden in tiefere Gespräche und einen Austausch über die potenziellen Produkte. Mehrere Teilnehmende berichteten, dass sie regelmäßig selbst Buchweizenprodukte herstellen oder konsumieren. Dass die Buchweizenprodukte großen Anklang fanden, zeigte sich durch wiederholte Besuche am Stand.
RoggReis mal anders
Wie die Verarbeitung in der Praxis aussehen kann, demonstrierte die Hand Fest GmbH mit knusprig, frittierten RoggReis-Bällchen. Diese wurden auf der Basis von Versuchen im RoggReis-Projekt hergestellt, nachdem das IFN im Zuge der bisherigen Zusammenarbeit bereitgestellt hatte. Die Verkostung bot den Gästen einen praxisnahen Einblick in das enorme Potenzial und die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten von RoggReis in der modernen Lebensmittelproduktion.
Insgesamt war der HNEE-Feldtag ein voller Erfolg für den Wissenstransfer und die weitere Bekanntmachung der im Januar erfolgten Zusammenführung der beiden etablierten Forschungseinrichtungen IFN und ILU e.V. zu einem Institut für nachhaltige Agrarforschung in den Bereichen Reproduktion, Tierhaltung, Lebensmittel und Umwelt.
„Hier sehen Sie schon heute, was morgen Wirklichkeit sein wird. Hier erleben Sie Gegenwart und Zukunft, die sich die Hand geben – dank des Mutes des Mittelstandes.“ Mit diesen Worten eröffnete Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand, den Innovationstag Mittelstand des BMWE am 11. Juni 2026 in Berlin.
Beim Innovationstag Mittelstand 2026 präsentierten rund 300 Aussteller – kleine und mittlere Unternehmen – innovative Projekte, neue Technologien und kreative Ideen. Mit dabei war auch das IFN Schönow e. V. – Reproduktion, Tierhaltung, Lebensmittel, Umwelt – mit dem FuE-Kooperationsprojekt VitalCheck4Pigs, das im internationalen Innovationsnetzwerk EMITI entstanden ist. Auf dem Netzwerkcampus präsentierte das Projektteam, anschaulich das innovative Konzept.
Bei VitalCheck4Pigs handelt es sich um ein ZIM-gefördertes Forschungsprojekt zur Entwicklung eines smarten Eberphantoms für das Gesundheitsmonitoring von Zuchtebern. Das System erfasst während der Spermagewinnung berührungslos Vitalparameter wie Atmung, Herzaktivität und Stresshormone, um die Tiergesundheit und Belastungsfähigkeit zu bewerten.
Innovationstag Mittelstand 2026: ZIM-Projekte des Jahres
Drei herausragende Projekte und ein Innovationsnetzwerk aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) wurden von Connemann als ZIM-Projekte des Jahres ausgezeichnet und mit einer Urkunde geehrt.
ZIM-Einzelprojekt des Jahres SINOVO health solutions GmbH (Hessen) Schneller zu fundierten Therapieentscheidungen bei Diabetes Das Unternehmen SINOVO health solutions GmbH hat ein Assistenzsystem entwickelt, das Diabetesdaten automatisiert auswertet und leitlinienbasierte Therapieempfehlungen bereitstellt. Die Software analysiert Informationen innerhalb weniger Sekunden und hilft so Ärztinnen und Ärzten, komplexe Behandlungssituationen schneller zu bewerten.
ZIM-Handwerksprojekt des Jahres KTB Holzbearbeitung (Sachsen) Automatisierung ohne Qualitätseinbußen: Neues Lackierverfahren für Musikinstrumente In kleinen Werkstätten lackieren Instrumentenbauer bisher meist händisch, was zu längeren Bearbeitungszeiten führt. In einem ZIM-Förderprojekt hat das Unternehmen KTB Holzbearbeitung ein neues Verfahren zur Lackierung von Streichinstrumenten entwickelt. Es ermöglicht eine deutlich schnellere und reproduzierbare Bearbeitung kleiner und mittlerer Instrumenten-Serien.
ZIM-Kooperationsprojekt des Jahres A. Liersch GmbH (Schleswig-Holstein), css-elektronik Computersysteme Dr. Schmidt GmbH (Sachsen), Helmut-Schmidt-Universität Universität der Bundeswehr Hamburg (Hamburg) Perfekte Nahtfestigkeit in der automatisierten Nähproduktion Im Rahmen eines ZIM-Forschungs- und Entwicklungsprojekts entstand ein neuartiges System zur intelligenten Überwachung von Fadenführung und -verbrauch in der industriellen Nähproduktion. Visuell nicht erkennbare Nahtfehler bei sicherheitskritischen Artikeln wie Gurten, Airbags oder Fallschirmen lassen sich damit sicher identifizieren.
ZIM-Netzwerk des Jahres META – Manufacturing 4.0 durch Entwicklung und Transfer progressiver Automatisierungslösung Intelligente Produktionsnetzwerke für die Industrie von morgen Im globalen Wettbewerb steigen die Erwartungen an Qualität, Flexibilität und Preise in der industriellen Fertigung stetig. Das ZIM-Innovationsnetzwerk META verknüpft intelligente Automatisierungslösungen aus dem Bereich Industrie 4.0 mit praxistauglicher Fertigungstechnik. Ziel ist es, Prozesse, Produkte und Dienstleistungen digital weiterzuentwickeln und mittelständische Produktionsunternehmen fit für künftige Anforderungen zu machen.
Rund 45 Experten aus Landwirtschaft, Beratung und Verarbeitung sowie weitere Interessierte trafen sich am 9. Juni 2026 zum Leindottertag in Dolgelin. Bei der Fachveranstaltung inklusive Feldbesichtigung wurde deutlich, welches Potenzial in dieser bislang unterschätzten Kultur steckt.
Nach einem gemeinsamen Frühstück eröffnete Dr. Herbert Miethke den Leindottertag. Als aktiver Anbauer koordiniert er den Anbau für das Unternehmen Worlée, das Leindotteröl als Rohstoff für Lacke und Bindemittel verarbeitet. Miethke betonte, dass der Leindottertag vor allem dem Austausch zwischen Praxis, Industrie, Züchtung und Beratung dient – damit sich Leindotter von einer Nischenkultur zu einer verlässlichen Ergänzung in der Fruchtfolge entwickeln kann.
Leindottertag 2026: Vom Feld in die Industrie
Den Auftakt des Fachprogramms machte das Unternehmen Worlée mit einem Einblick in die industriellen Anforderungen an pflanzliche Öle. Am Beispiel des Kunden IKEA wurde aufgezeigt, wie stark die Klimabilanz und CO₂-Äquivalente (Treibhausgas-Potenzial) heute die Rohstoffauswahl beeinflussen.
Vergleich des CO₂-Fußabdrucks verschiedener Öle
Camelina-Öl (Leindotter): 1- 1,5 CO₂-Äquivalente
Leinöl: 1,6 – 2,0 CO₂-Äquivalente
Sojaöl: 2,2 – 3,0 CO₂-Äquivalente
Sonnenblumenöl: 2,5 – 3,5 CO₂-Äquivalente
Leindotteröl liegt in diesem Vergleich besonders günstig, was es für Anwendungen in Lacken und Farben interessant macht. Für die Möbelindustrie bedeutet dies, dass sich durch den Einsatz von Leindotteröl in Beschichtungen erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen einsparen lassen, ohne Abstriche bei Qualität und Funktionalität machen zu müssen.
Worlée machte deutlich, dass das Unternehmen an einer Ausweitung des Leindotteranbaus interessiert ist, um künftige Bedarfe decken zu können. Die Botschaft an die landwirtschaftliche Praxis war klar: Es gibt einen wachsenden Markt für Leindotteröl, wenn es gelingt, stabile Qualitäten und ausreichende Mengen zu liefern.
Leindotter-Anbau: Ackerbauliche Herausforderungen und Chancen
Prof. Knut Schmidtke von der HTW Dresden ging auf die ackerbaulichen Besonderheiten und Herausforderungen des Leindotteranbaus ein. Ein wesentlicher Punkt ist das sehr geringe Tausendkorngewicht von nur etwa 1 bis 1,5 Gramm. Dies erfordert eine präzise und flache Saatbettbereitung. Die optimale Ablagetiefe liegt bei 1 bis 2 Zentimetern, was in der Praxis Fingerspitzengefühl bei der Einstellung der Sätechnik voraussetzt.
Schmidtke ging außerdem auf die Unkrautunterdrückung ein, die Leindotter gegenüber samenbürtigen Unkräutern leisten kann. Die Pflanzen bilden Glucosinolate und scheiden diese teilweise über die Wurzeln in den Boden aus. Durch die Umwandlung zu Isothiocyanaten wird die Keimung von samenbürtigen Unkräutern gehemmt. Dieser allelopathische Effekt trägt dazu bei, den Unkrautdruck zu reduzieren, und eröffnet gerade für den ökologischen Landbau interessante Möglichkeiten.
In der anschließenden Diskussion wurden praktische Erfahrungen zur Fruchtfolge, zum Umgang mit Trockenphasen und zu Krankheiten ausgetauscht. Deutlich wurde, dass Leindotter zwar robuste Eigenschaften mitbringt, die Kultur aber noch mehr betriebliche Erfahrung und agronomische Feinabstimmung benötigt, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen.
Leindotter-Züchtung: Nischenkultur mit komplexem Genpool
Christian Gaisböck von der MFG Deutsche Saatgut GmbH legte den Fokus auf die züchterische Seite von Leindotter. Aktuell fristet diese Kultur züchterisch ein Nischendasein, obwohl es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine intensive Leindotterzüchtung gab. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise die Sorte „Calina“, die sich durch Gesundheit, Trockenheitstoleranz und Widerstandsfähigkeit auszeichnet und bis heute im Anbau ist.
Trotz dieser positiven Eigenschaften sind der Anbauumfang und somit die wirtschaftliche Basis für Züchtungsprogramme derzeit begrenzt: In Brandenburg werden ca. 2.500 Hektar, deutschlandweit rund 4.000 Hektar und in Österreich etwa 8.000 Hektar Leindotter angebaut. Für die Züchtung ist das zu wenig, um über Lizenzgebühren einen ausreichenden Erlös zu erzielen.
Hinzu kommt, dass Leindotter einen komplexen genetischen Hintergrund mit 3 Genomen besitzt. Das macht die Verankerung neuer Merkmale züchterisch aufwendig. Um den genetischen Pool zu verbreitern, ist eine Einkreuzung von Wildarten nötig, was den Prozess zusätzlich verkompliziert. Perspektivisch könnten präzisere Zuchtmethoden wie CRISPR/Cas helfen, doch wirtschaftlich interessant wären größere Programme erst ab einem Anbauumfang von etwa 30.000 Hektar. Selbst dann würde es schätzungsweise acht Jahre dauern, bis neue Sorten marktreif sind. Hoffnung machen jedoch aktuelle Sortenentwicklungen in Kanada, die zeigen, dass international Bewegung in die Leindotter-Forschung kommt.
Regionale Wertschöpfung: Leindotter als Bindeglied
ProRegio – „Regionale Zukunftshöfe: Wissenslücken schließen für die Proteinwende“ (März 2025 – Dez. 2027) Leitung: Kristin Höhlig Geplant sind u. a. sechstägige Informations-Feldtage auf Best-Practice-Betrieben, Online-Weiterbildungen, kontinuierliches Coaching für ausstiegsinteressierte Betriebe sowie Impulse für Forschungsfragen und Abschlussarbeiten.
VegWERT(März 2026 – Februar 2029) Leitung: Alina Gieseke Dieses Projekt zielt mit einem Gesamtbudget von rund 189.000 Euro auf den Aufbau biozyklisch-veganer Wertschöpfungsketten in der Region Brandenburg–Berlin–Sachsen ab. Zu den Maßnahmen gehören Initialveranstaltungen, Beratungsangebote, wissenschaftliche Begleitung (Marktforschung und Masterarbeiten) sowie Messeauftritte und Öffentlichkeitsarbeit.
In der Diskussionrunde wurde deutlich, dass Leindotter als heimische Ölpflanze gut zu den Zielen dieser Projekte passt. Die Kultur verbindet Aspekte der Klimabilanz, der Biodiversität und der regionalen Verarbeitung und kann so eine Rolle in biozyklisch-veganen Produktionssystemen spielen.
Feldbesichtigung, Drohneneinsatz und Praxisaustausch
Der praktische Teil führte die Teilnehmenden auf einen Leindotterschlag im 15 Kilometer entfernten Lebus. Vor Ort ergab sich die Gelegenheit, nicht nur den Pflanzenbestand zu begutachten, sondern auch einen Drohneneinsatz live mitzuerleben.
An der Agrar-Drohne war ein 20-Liter-Tank montiert, aus dem über Spritzdüsen, die unterhalb der hinteren Propeller angebracht waren, ein Pflanzenstärkungsmittel ausgebracht wurde. Das verdeutlichte, wie sich punktgenaue Applikation und minimaler Bodendruck kombinieren lassen. Gleichzeitig gab es rege Nachfragen zu Zulassung, Dokumentation und Wirtschaftlichkeit dieser Technik aus.
Am Schlag selbst wurden der aktuelle Entwicklungsstand der Bestände, der Krankheitsdruck und die Anbaustrategien in diesem Jahr besprochen. Die Teilnehmenden tauschten Erfahrungen zu Saatzeit, Mischkulturen und Erntestrategien aus und diskutierten über unterschiedlichste Herausforderungen aus der Praxis.
Leindottertag 2026 in Dolgelin – Ein Fazit
Der Leindottertag in Dolgelin 2026 hat gezeigt, dass die Kultur zwar noch in der Nische steckt, aber deutlich an Bedeutung gewinnen kann. Die Kombination aus stabiler Nachfrage der Industrie, klaren Klimavorteilen, ackerbaulichen Stärken und neuen Projekten im Bereich biozyklisch-veganer Wertschöpfungsketten bietet dafür eine gute Ausgangsbasis.
Gleichzeitig wurden die offenen Punkte klar benannt: begrenzte Anbauflächen, ein züchterisch anspruchsvoller Genpool und der Bedarf an mehr Praxiserfahrung. Dass rund 50 Personen an einem Werktag nach Dolgelin gekommen sind, ist ein deutliches Signal, dass Interesse und spürbare Bereitschaft vorhanden sind, Leindotter voranzutreiben. Die Teilnehmenden nutzten den Tag intensiv, um neue Kontakte zu knüpfen und konkrete Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen.
Der Leindottertag 2026 in Dolgelin war mehr als ein klassischer Feldtag: Ein produktives Netzwerk- und Arbeitstreffen entlang der gesamten Kette vom Acker über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Leindotter in der regionalen Landwirtschaft eine feste Zukunft haben kann.
Am 6. Juni 2026 fand die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin statt. Über 30.000 Interessierte waren in der Hauptstadt in rund 60 Einrichtungen unterwegs, um gemeinsam zu forschen, zu experimentieren, zu diskutieren und zu entdecken. Die Wissenschaft wurde aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erlebbar gemacht.
An der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) konnten sich die Gäste auf dem Campus Wilhelminenhof in Oberschöneweide nicht nur über Mikroorganismen, Windkraft, autonome Roboter oder KI, informieren, sondern am Stand des IFN Schönow e.V. – Reproduktion, Tierhaltung, Lebensmittel, Umwelt – auch mehr über die Tiergesundheit bei Ebern während der Samengewinnung erfahren.
Die Gesundheit der Tiere ist die Basis für eine leistungsfähige Landwirtschaft und die Produktion sicherer Lebensmittel. Mittels moderner Sensorik und KI untersucht das Projekt VitalCheck4Pigs, wie sich Gesunheits- und Stresszustände von Zuchtebern während der Samengewinnung abbilden lassen. Dafür werden Vitalparameter wie Herzaktivität, Atmung und Stresshormone nicht-invasiv erfasst und mit Umwelt- und Betriebsdaten verknüpft. Ziel ist ein kontinuierliches Gesundheitsmonitoring sowie die Identifikation von Abweichungen, um Tierwohl und Betriebsabläufe zu unterstützen.
Der Hack- und Striegeltag 2026 hat erneut gezeigt, wie groß das Interesse an praxisnahen Lösungen für eine erfolgreiche mechanische Beikrautregulierung ist. Am 28. Mai kamen auf Gut Netzow in Templin (Uckermark) über 70 Landwirtinnen und Landwirte, Beraterinnen und Berater sowie weitere Fachinteressierte zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen und Technik im Bereich Hacken und Striegeln auszutauschen.
Hack- und Striegeltag 2026: Einblicke in die Praxis
Nach der Begrüßung durch Maxie Grüter (IFN Schönow e.V.) und Vanessa Wendt (Landesbauernverband Brandenburg) eröffnete Betriebsleiter Jakob Michel den fachlichen Teil mit einem Einblick in die Praxis auf Gut Netzow. Anhand der Kulturen Erbse, Sonnenblume und Mais zeigte er anschaulich die betrieblichen Strategien und Herausforderungen bei der mechanischen Beikrautregulierung auf. Seine Kernaussage „Beikraut wächst immer – nichts zu machen ist keine Option“ verdeutlichte eindrücklich, wie entscheidend ein konsequentes und an die Standortbedingungen angepasstes Management ist.
Im Anschluss gab Jan Wittenberg, Biolandwirt und Ackerbauberater, einen vertieften Einblick in die Striegeltechnik. Dabei ging es nicht nur um Geräteeinstellungen, sondern vor allem um das richtige Timing und die Intensität der Maßnahmen. Besonders betont wurde die Bedeutung wiederholter Überfahrten und einer konsequenten Strategie: „Einmal striegeln ist immer falsch – entweder im Doppelschlag oder gar nicht.“ Diese praxisnahen Hinweise stießen auf großes Interesse und wurden intensiv diskutiert.
Abgerundet wurde der fachliche Vormittag durch eine Dialogrunde mit Anna Richter (AWO Reha Gut Kemlitz) und Stefan Palme (Gut Wilmersdorf, organiconcept). Hier standen insbesondere betriebliche Entscheidungsprozesse, Wirtschaftlichkeit sowie die Einbindung mechanischer Verfahren in unterschiedliche Anbausysteme im Fokus. Der offene Austausch bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen und von den Perspektiven anderer Betriebe zu profitieren.
Hacken und Striegeln auf dem Acker
Am Nachmittag verlagerte sich die Veranstaltung auf die Flächen von Gut Netzow. Dort konnten die Teilnehmenden verschiedene Hack- und Striegelgeräte im praktischen Einsatz in Mais und Sonnenblume erleben. Vorgeführt wurden unter anderem:
Amazone VENTERRA 2K
Einböck/Milde AEROSTAR-Rotation (6 m)
Garford Reihenhacke Robocrop
GST Denmark Rollhacke GST Biostar
Horsch VF Transformer
Horsch Cura 12 ST
Kverneland Arcadia (12,2 m)
Treffler Zinkenstriegel TS 1520
Die Vorführungen boten eine gute Gelegenheit, die Arbeitsweise, die Einstellungsmöglichkeiten und die Schlagkraft der Maschinen direkt im Feld zu vergleichen. Viele Teilnehmende nutzten zudem die Möglichkeit, gezielte Fragen an die Hersteller und Praktiker zu stellen und sich über konkrete Einsatzbedingungen auszutauschen.
Austausch innerhalb der Branche stärken
Der Hack- und Striegeltag 2026 hat eindrucksvoll demonstriert, wie essenziell der Wissenstransfer zwischen Praxis, Beratung und Forschung für die Weiterentwicklung nachhaltiger Anbausysteme ist. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Anforderungen an den Pflanzenschutz und Ressourcenschonung gewinnen mechanische Verfahren weiter an Bedeutung. „Veranstaltungen wie diese leisten einen wichtigen Beitrag, um praxistaugliche Lösungen sichtbar zu machen und den Austausch innerhalb der Branche zu stärken.“, sagten Mitglieder des Junglandwirte-Netzwerks FARMUP! vom LBV Brandenburg.
Der Hack- und Striegeltag wurde organisiert von der Kreativ- und Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft im Dialog, bestehend aus dem Landesbauernverband Brandenburg e.V. und der Koordinierungsstelle für forschungsbasiertes Versuchswesen am IFN Schönow e. V. – Reproduktion, Tierhaltung, Lebensmittel, Umwelt. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF), den Gastgeber Gut Netzow und das Netzwerk FARMUP! mit der Landwirtschaftliche Rentenbank.
Ein herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden, Referentinnen und Referenten, dem beteiligten Betrieb, Technikpartnern sowie den Unterstützern im Hintergrund. Ebenso danken wir allen Teilnehmenden für das große Interesse, die engagierten Diskussionen und den offenen fachlichen Austausch. Wir freuen uns bereits auf den Hack- und Striegeltag im kommenden Jahr 2027.
von Sandra Marquardt (IFN Schönow) & Vanessa Wendt (LBV Brandenburg)
Erfolgreiche Forschung entsteht, wo Wissen gebündelt wird. Zwei starke Player aus Brandenburg forschen jetzt gemeinsam. Das ILU und das IFN agieren seit dem 01.01.2026 vereint.
Mit großer Freude verkünden wir die Zusammenführung des Instituts für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow e.V. (IFN) und des Instituts für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. (ILU) aus Bad Belzig. Gemeinsam werden neue Meilensteine in der wissenschaftlichen Landschaft gesetzt, denn aus IFN und ILU entsteht in Schönow ein Institut für nachhaltige Agrarforschung in den Bereichen Reproduktion, Tierhaltung Lebensmittel und Umwelt.
Der bestehende Forschungsstandort des IFN in Schönow bei Bernau wird durch einen modernen und funktionalen Bau erweitert, wodurch maximaler Raum für interdisziplinäre Forschung geboten wird. Mit modernster Technik ausgestattete Labore entstehen neben großzügigen Arbeitsbereichen für die künftigen wissenschaftlichen Teams. Ein Ort, an dem die Kompetenz und Erfahrung zweier erfolgreicher Einrichtungen gebündelt und für die Praxis wirksam werden.
Die beiden Institute bringen ab sofort unterschiedliche, sich hervorragend ergänzende Fachbereiche zusammen. Dieses Zusammenwirken eröffnet völlig neue Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsprojekte, nachhaltige Innovationen und wissenschaftliche Durchbrüche. Durch die Erweiterung des Portfolios auf die gesamte Wertschöpfungskette lässt sich nicht nur die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken und Ressourcen bündeln, sondern die Kompetenzen beider Partner vertiefen und zugleich Alleinstellungsmerkmale weiter ausbauen. Durch diese Verbindung entstehen wertschöpfende Synergien, die unsere Position in nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken und für die Region weiter stärken.
Die Mitarbeitenden der Einrichtungen freuen sich, ihr Wissen zu vernetzen, Ideen zu kreieren und die Entwicklung der Tierzucht, der Bioökonomie und der klimaangepassten Landwirtschaft mit Weitblick zu gestalten. Gemeinsam schlagen wir eine neue Richtung in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ein, um neue Maßstäbe zu setzen.
Zusammen forschen, denken und entwickeln – für zielgerechte Lösungen, die verändern.
Die Vielfalt Brandenburgs in einer Halle gab es auf der Grünen Woche 2026 zu entdecken. Zum 100-jährigem Jubiläum konnte das Publikum vom 16. bis zum 25. Januar in Berlin ein buntes Programm, regionale Produkte und innovative Ausstellende besuchen.
Auch das Team der Agrar-, Ernährungs- und Landnutzungsforschung Brandenburg war auch mit einem Gemeinschaftsstand vor Ort und präsentierte ihre vielfältigen Forschungsfelder in der Brandenburg-Halle 21a am Stand 173. Ein besonderer Dank geht nicht nur an alle Veranstaltenden und Mitwirkenden, die die Grüne Woche möglich gemacht haben, sondern auch an alle wissensdurstigen Gäste, die uns besucht haben.